Psychotherapie bei Angst-Störung – ICD 10 F41
Ängste und Panikattacken sind aktuell sehr auf dem Vormarsch. Kein Wunder in Zeiten, in denen Informationen immer schneller, unmittelbarer und überflutender an uns herangespült werden. Das Robert-Koch-Institut berichtet von einer Inzidenz von fast der Hälfte besonders betroffener Gruppen (Panel „Gesundheit in Deutschland“ 2024).
Angst ist eine wichtige Abwehrreaktion. Allerdings kann sie sich regelrecht verselbstständigen und dann in extremer Weise von objektiv völlig ungefährlichen Auslösern aktiviert werden.
Fliegen, Fahrstuhl, oder Menschen
Die Angst kommt in verschiedenen Gewändern. Wir unterscheiden hauptsächlich die drei Strömungen Phobien, Panikattacken und Generalisierte Angststörung. Allerdings gibt es auch Kombinationen dieser drei Kategorien, und das Geschehen ist dynamisch, verändert sich also unter Umständen. Besonders, wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt wird.

Erstarrung als Überlebensstrategie
Die limbische Angstreaktion unseres vegetativen Nervensystems dient als uralte, instinktive automatische Überlebensstrategie auf lebensgefährliche Bedrohungen. In Extremfällen wird von der Amygdala der Kampf-oder-Flucht-Reflex aktiviert: Alarm, Freisetzung von Stresshormonen, schneller Herzschlag, erhöhte Atmung, Schwitzen und Muskelspannung. Findet keine aktive Flucht- oder Kampfhandlung statt, kann Erstarrung auftreten – ein Schutzmechanismus, der Sichtbarkeit reduziert, den Aufmerksamkeitsfokus des Angreifers einschränkt und Distanz zu potenziellen Gefahrensignalen schafft.
Diese Reaktion stammt aus evolutionären Zeiten der Menschheitsentwicklung, in denen das Stillhalten oder Verstecken unser Überleben sicherte. Da wir als Spezies noch immer auf dem Planeten Erde präsent sind, war diese neuronale Kompetenz in einem durchaus feindlichen natürlichen Lebensraum offensichtlich erfolgreich! Im modernen Umfeld können bei überwältigenden Stressoren angstgesteuerte irrationale Reaktionen nun immer noch auftreten, selbst wenn rational betrachtet keine akute Lebensgefahr besteht.
Unser Verständnis dieser Reaktion hilft, sie zu erkennen, sie anzuerkennen, und Strategien wie Atemübungen, neutrale Körperwahrnehmung und langsame Stimulation zu nutzen, um sanft wieder in unsere Regelsysteme zurückzufinden. Treten unwillkürliche Angstreaktionen in eigentlich harmlosen Situationen mehrfach oder zuverlässig auf, muss diese psychologische Fehlleistung therapeutisch behandelt werden, um sie wieder zurückzuentwickeln.
Mut statt Vermeidung
In der vertrauensvollen Atmosphäre einer Psychotherapie-Praxis wird es möglich, eine Sprache für das Unaussprechliche zu finden. Besser gesagt, sind es häufig eher die Bilder, die uns unbewusst in extremen Stress versetzen können. Diesem Schrecken einen Namen zu geben und sich gedanklich mit den eigenen unwillkürlichen Angst- und Abwehrreaktionen systematisch auseinanderzusetzen, das Grauen also für eine Zeitlang freiwillig zu konsultieren, hilft aus dem Teufelskreis der Vermeidung, die insbesondere bei dieser Erkrankung die Störung immer weiter vertieft.
Augen zu und mitten durch
Insofern gilt die Devise: Bloß nicht weiter zurückweichen, sondern Freiheitsgrade zurückerobern! Und damit sich und die alte Lebensqualität zurückgewinnen. Der Prozess kann zwei Schritte vor, einer zurück verlaufen. Ich durfte aber schon viele Patienten erleben, denen wenige Sitzungen geholfen haben, die Symptomatik in den Griff zu bekommen. Je früher man anfängt mit der Therapie nach einer ersten Panikattacke oder beim plötzlichen Auftauchen einer Flugangst, desto einfacher wird es, diese emotionalen Fehlleistungen wieder auszuschleichen.
Ein paar Sorgen sind normal
Manchmal geht es auch nur darum, eine gute Balance zu finden zwischen totaler Panik und der absoluten Sorglosigkeit. Natürlich ist es angemessen, sich nicht so ganz übermütig und leichtgläubig ins Leben zu stürzen, denn das kann uns in Gefahr bringen. Eine gesunde Vorsicht kann viel Leid ersparen. Als Zielorientierung gilt wieder einmal die goldene Mitte.
Außerdem ist Differenzieren angesagt: a) In dieser Situation darf ich auf keinen Fall wieder durch Vermeidung meine Angst füttern und vertiefen, sondern ich muss mal wieder kurz durchs Feuer gehen, oder b) Diese Challenge lasse ich heute ausfallen und schone mich bis morgen.
Insofern finden wir Schritt für Schritt gemeinsam heraus, wann die Angst pathologisch, also unangemessen ist, und wo eine berechtigte persönliche Sorge beschwichtigt werden darf, indem wir praktische Vorkehrungen zur Abwendung tatsächlicher Risiken erwägen.
Heilpraktiker-Psychotherapie gegen Ängste
Ich behandle mit einer Kombination aus Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie und Systemischer Therapie sowie mit bewährten Techniken zur Beruhigung und Entspannung. Wichtig ist die differenzialdiagnostische Abgrenzung zur Depression.

Richtig handeln, besser fühlen
Die Erfahrung zeigt: Durch das richtige, also vernünftige Verhalten (trotzdem ins Flugzeug steigen, trotzdem auf die Party gehen, trotzdem den Fahrstuhl benutzen, trotzdem eine neue Beziehung eingehen) nimmt die Häufigkeit und Intensität des Angsterlebens ab. Indem wir das (eingebildete) Risiko bewusst eingehen, ermöglichen wir uns selbst das Erleben, dass die Situation trotz des deutlichen Vermeidungswunsches gut ausgeht. Und diese gute Erfahrung, die wir nur durchs Tun machen können, überlagert dann irgendwann das alte Schreckensbild, die Horrorvision, das Worst-case-Szenario. Es entstehen neue neuronale Verbindungen, die (bewusst und unbewusst) immer stärker hoffen lassen, dass die Angst es nicht wert ist, auf sie zu hören, und dass es durchaus möglich bzw. sehr wahrscheinlich ist, dass das undenkbar Schlimme gar nicht eintreten wird.
Habe ich eine Angst-Erkrankung?
Schildern Sie hier die Erfahrungen, die Sie mit starken Ängsten oder Panikanfällen machen: