Der Rahmen färbt das Bild – Framing als psychologische Realität

Unter Framing , neudeutsch aus dem englischen „frame“, Rahmen, versteht man vereinfacht gesagt den theoretischen Kontext, in dem wir Informationen aufnehmen. Wenn einer etwa sagt: „Als Zeichen meines Verantwortungsbewusstseins … trete ich von diesem Amt zurück“, klingt das ganz anders, als wenn ein Journalist später über den Rücktritt schreibt, er sei feige, weil einer sich da vor der Wiedergutmachung der Situation gedrückt habe, zugunsten der eigenen Reputation und nicht für die Sache.

Obwohl also genau dasselbe passiert, wird das Geschehen völlig unterschiedlich bewertet. Beide Optionen, Ärmel hochkrempeln oder Rücktritt, können irgendwie als verantwortungsvolles Handeln interpretiert werden. Oder als das Gegenteil.

Die Framingforschung erlebt gerade im Zuge der Politikforschung große Aufmerksamkeit, obwohl sie schon relativ alt ist. Eine überaus aussagekräftige Studie aus 1981 (Kahneman, Tversky) hat erschreckende Diskrepanzen herausgestellt in der Unterschiedlichkeit unserer Bewertungen bzw. Entscheidungen, je nach dem entsprechenden Framing.

Die beiden Forscher haben schon 1979 bewiesen, dass Menschen je nach Unsicherheitsfaktoren einer Situation dazu neigen, irrational zu handeln, statt nutzenorientiert, wie die damalige neoklassische wirtschaftsökonomische Überzeugung glaubte. Je nach dem Rahmen der Informationslage handeln Menschen eben rational oder angstgesteuert, da wir genetisch bedingt gegen Verlust eine Aversion empfinden, die wir vermeintlich unbedingt vermeiden müssen.

In der Psychotherapie und psychologischen Beratung gebrauchen wir die Macht des Framing schon lange. Es dient nämlich der Entspannung und Beruhigung des Klienten ungemein, wenn am Anfang der Behandlung bestimmte Vorteile oder eine Angemessenheit der psychischen Reaktion herausgearbeitet wird. Anders als vorher, wo die Störung, Blockade oder Belastung als gefährliches Übel geframt war, überlegen Klient oder Coachee, inwiefern diese eine ganz logische Folge aus gemachten Erfahrungen heraus sein könnte und ob sie nicht wenigstens als lehrreicher Lösungsversuch gewürdigt werden könnte.

Dem Druck zu entgehen, die Tatsache der seelischen Störung sei schon an sich „gestört“, bringt vielen Menschen eine Erleichterung und den nötigen Perspektivwechsel auf sich selbst. Wirkt die Höhle des Löwen nicht mehr so bedrohlich und beschämend wie einst, kann ich ja mal hingehen und dort aufräumen.

Beispiele für dieses therapeutische Umframen ist etwa der Umkehrschluss des ängstlich-depressiven Gedankens „Was ist, wenn ich bald sterbe?“ in „Ich will leben!“. Oder die evolutionspsychologische Erklärung für Phobien gegen Spinnen, Mäuse, große Höhe oder Blut. Vielleicht auch die Aussage „Ohne Leidensdruck keine Veränderung.“ Oder bei einer Essstörung die Intervention „Sie möchten sich vielleicht die Welt versüßen?“. Auch in einer Paarbeziehung den Konflikt als Entwicklungschance zu deuten, die mich vor dem Stagnieren und damit vor Abhängigkeit schützt.

In jeder Betrachtungsweise steckt interessanterweise ein wahrer Kern. Wenn sie uns hilft, besser mit unabänderlichen Umständen zu leben, sollten wir uns die Technik des Framings ausgiebig zunutze machen.