Blog Sabine Brunner, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Warum man als Therapeut nichts gegen Gegenübertragung haben muss

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

13.05.2017

Das ist nun also der Anfang meines so ziemlich lange aufgeschobenen Blogs. Schön! Ein wenig setzt der Gedanke mich unter Druck, ständig etwas einigermaßen Lesenswertes auf gleichem Niveau zu Papier bzw. in die Tastatur zu bringen. Das Netz ist doch proppenvoll mit Nachrichten und Informationen aller Art, und kein Mensch könnte die alle in einem einzigen Menschenleben gelesen haben. Da existiert also der größtmöglich anzunehmende Wettbewerb unter den Beiträgen, was die Qualitätsmaßstäbe unheimlich nach oben setzt. Aber wahrscheinlich ist das der falsche Ansatz, und ich habe es gerade mit den berühmten Erwartungserwartungen zu tun.

Erwartungserwartungen sind Erwartungen, die ich meinem Gegenüber oder der Allgemeinheit unterstelle, ohne mir darüber bewusst zu sein. Ich frage also zum Beispiel nicht „Was wollt ihr in meinem Blog lesen?“, sondern ich gehe einfach davon aus, dass hier etwas Interessantes erwartet wird.

Als Therapeutin würde ich in einer Sitzung mit mir also so vorgehen. Erste Frage: Woher weißt du, wer was erwartet? Schon mal gefragt? Zweite Frage: Wenn du es wüsstest, müsstest bzw. wolltest du diese reale Erwartung denn unbedingt erfüllen?

In diesem Sinne: Ich wünsche mir, dass ich in diesen Blog hineinschreiben werde, was mir Spaß macht, was mir gerade durch den Sinn geht oder ich bemerkens- und erzählenswert finde. Und wenn sich Leser finden, die das rein zufällig ähnlich bewerten, freue ich mich einfach.

Bis auf Weiteres! 🙂

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Hermann Hesse)